Eine chronische Wunde betrifft nie nur den Patienten – sie betrifft die ganze Familie. Als pflegende*r Angehörige*r übernehmen Sie eine anspruchsvolle Aufgabe: Verbandwechsel, Hautpflege, Lagerung, Beobachtung – oft ohne medizinische Ausbildung. Das kann verunsichern.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen praktische Tipps für die Wundversorgung zu Hause. Nicht als Ersatz für professionelle Wundversorgung – sondern als Unterstützung für den Alltag zwischen den Besuchen des Pflegedienstes oder Wundzentrums.
Wann dürfen Sie selbst versorgen – und wann nicht?
Nicht jede Wundversorgung gehört in Laienhand. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen:
✅ Das können Sie übernehmen
- Einfache Verbandwechsel nach Anleitung durch den Pflegedienst oder das Wundzentrum
- Hautpflege rund um die Wunde (Hautpflege bei chronischen Wunden)
- Beobachten und dokumentieren – Veränderungen erkennen und melden
- Lagerung und Druckentlastung sicherstellen
- Kompressionsstrümpfe an- und ausziehen (Kompressionstherapie)
- Medikamente wie verordnet verabreichen
🚫 Das gehört in Profihände
- Wundreinigung (Débridement) – Entfernung von abgestorbenem Gewebe
- Beurteilung der Wunde – Ist sie infiziert? Heilt sie? Vergrößert sie sich?
- Auswahl der Wundauflage – das richtige Material für die aktuelle Wundphase
- Anlegen von Kompressionsverbänden – erfordert Fachtechnik
- Entscheidungen über die Therapie – Änderungen immer mit dem Wundexperten besprechen
Faustregel: Wenn Sie unsicher sind – lieber einmal mehr anrufen als einmal zu wenig.
Der Verbandwechsel zu Hause – Schritt für Schritt
Ihr Wundversorgungs-Team zeigt Ihnen genau, wie der Verbandwechsel ablaufen soll. Hier sind die wichtigsten Grundregeln:
Vorbereitung
- Hände gründlich waschen – mindestens 30 Sekunden mit Seife, dann desinfizieren
- Arbeitsfläche vorbereiten: Saubere, abwischbare Unterlage (z. B. frisches Handtuch)
- Material bereitlegen: Handschuhe, Wundauflage, Fixierung, Hautschutz, Abwurfbehälter
- Gute Beleuchtung – Sie müssen die Wunde gut sehen können
- Patient*in bequem lagern – die Wunde muss gut zugänglich sein
Durchführung
- Einmalhandschuhe anziehen
- Alten Verband vorsichtig entfernen – in Haarwuchsrichtung, langsam, ggf. mit Pflasterentferner anfeuchten
- Wunde anschauen: Hat sich etwas verändert? Größe, Farbe, Geruch, Beläge? → Notieren!
- Alten Verband + Handschuhe entsorgen – in den Abwurfbeutel
- Neue Handschuhe anziehen
- Wundumgebung pflegen: Haut reinigen, ggf. Hautschutzfilm auftragen
- Neue Wundauflage auflegen – wie vom Wundexperten gezeigt
- Fixieren – mit Pflaster, Schlauchverband oder Binde
- Handschuhe entsorgen, Hände waschen
Tipp: Fotografieren Sie die Wunde bei jedem Verbandwechsel mit dem Smartphone (mit Einverständnis). So können Sie dem Wundversorgungs-Team bei Rückfragen Bilder zeigen.
Hygiene: Die wichtigsten Regeln
Hygiene ist bei der häuslichen Wundversorgung das A und O – denn Infektionen können eine schlecht heilende Wunde dramatisch verschlechtern.
| Regel | Warum? |
|---|---|
| Händedesinfektion vor und nach jedem Verbandwechsel | Hände sind der häufigste Übertragungsweg für Keime |
| Einmalhandschuhe tragen | Schützt die Wunde und Sie selbst |
| Sterile Wundauflagen nicht mit den Fingern berühren | Die Seite, die auf die Wunde kommt, muss keimfrei bleiben |
| Verpackungen erst direkt vor Gebrauch öffnen | Offene Verpackungen sind nicht mehr steril |
| Gebrauchte Materialien sofort entsorgen | Nicht auf dem Tisch liegen lassen – Infektionsgefahr |
| Verbandmaterial trocken und sauber lagern | Feuchtigkeit und Staub machen Material unbrauchbar |
Haustiere: Hunde und Katzen sollten nicht an die Wunde kommen. Tierspeichel enthält Keime, die schwere Wundinfektionen auslösen können.
Sie pflegen zu Hause und brauchen Unterstützung?
WundSTARK® versorgt chronische Wunden auch bei Ihnen zu Hause. Unser Wundversorgungs-Team kommt regelmäßig, übernimmt den professionellen Verbandwechsel und zeigt Ihnen, was Sie dazwischen selbst tun können.
Telefon Viersen: 0 21 62 / 36 18 490 | Telefon Mönchengladbach: 0 21 62 / 36 18 4930
Lagerung: Druck vermeiden, Heilung fördern
Druck auf eine Wunde verhindert die Heilung – und kann neue Wunden verursachen (Dekubitus vorbeugen). Die richtige Lagerung ist besonders wichtig bei bettlägerigen oder wenig mobilen Patient*innen.
Grundregeln der Lagerung
- Nie auf der Wunde liegen: Klingt selbstverständlich – wird im Alltag aber oft vergessen, besonders nachts
- Position regelmäßig wechseln: Alle 2 Stunden umlagern – auch nachts
- Weichlagerung nutzen: Spezielle Matratzen und Kissen verteilen den Druck besser – im Sanitätshaus Lettermann erhältlich
- Fersen frei lagern: Fersen sind besonders druckgefährdet – mit einem Kissen unter der Wade „schweben" lassen
- 30°-Seitenlage: Schräg lagern statt direkt auf die Seite – verteilt den Druck besser
Bei Wunden an den Beinen
- Beine hochlagern: Bei venösen Wunden (offenes Bein) fördert Hochlagern den Blutfluss – Beine über Herzniveau
- Nicht dauerhaft sitzen: Langes Sitzen mit hängenden Beinen verstärkt den Venenstau
- Bewegung einbauen: Fußwippen, Zehenkreisen, kurze Gehstrecken – in Absprache mit dem Arzt
- Kompression konsequent tragen – auch wenn es lästig ist
Beim diabetischen Fuß
- Druckentlastung ist das Wichtigste: Spezialschuhe, Entlastungsorthesen oder Vorfußentlastungsschuhe tragen
- Nicht barfuß laufen – auch nicht zu Hause
- Schuhe vor dem Anziehen kontrollieren – auf Steinchen, Falten, drückende Nähte
- → Mehr dazu: Diabetischer Fuß – Ursachen, Warnsignale & Behandlung
Warnsignale: Wann müssen Sie sofort handeln?
Rufen Sie den Pflegedienst, das Wundzentrum oder den Arzt an, wenn:
- 🔴 Die Wunde plötzlich stärker nässt oder der Verband durchfeuchtet (Nässende Wunde)
- 🔴 Die Wunde sich verfärbt – dunkelrot, schwarz, grünlich
- 🔴 Übler Geruch entsteht, der vorher nicht da war
- 🔴 Die Rötung sich ausbreitet – immer weiter über den Wundrand hinaus
- 🔴 Fieber oder Schüttelfrost auftreten
- 🔴 Patient*in zunehmend verwirrt oder apathisch wirkt
- 🔴 Die Wunde deutlich größer wird
- 🔴 Starke Schmerzen, die vorher nicht da waren
Lieber einmal zu viel melden als einmal zu wenig. Wundexperten freuen sich über aufmerksame Angehörige – das ist keine Störung, sondern hilft.
Ernährung: So unterstützen Sie die Heilung
Als Angehörige*r können Sie einen großen Beitrag leisten, indem Sie auf die Ernährung achten:
- Ausreichend Eiweiß: Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Fisch – Baustoffe für neue Haut
- Genug trinken: Mindestens 1,5 Liter pro Tag – viele ältere Menschen trinken zu wenig
- Zink und Vitamin C: Unterstützen die Wundheilung – in Vollkornprodukten, Nüssen, Obst und Gemüse
- Trinknahrung: Wenn normales Essen nicht ausreicht – vom Arzt verordnungsfähig
→ Ausführliche Tipps: Wundheilung und Ernährung – welche Nährstoffe die Wunde braucht
Materialien: Was brauchen Sie zu Hause?
Ihr Wundversorgungs-Team stellt Ihnen die benötigten Materialien bereit. Diese Dinge sollten Sie immer vorrätig haben:
- Einmalhandschuhe (unsteril für äußere Arbeiten, ggf. steril für den Verbandwechsel)
- Händedesinfektionsmittel
- Wundauflagen – die vom Wundexperten verordneten
- Fixiermaterial – Pflaster, Schlauchverband oder Binde
- Hautschutzfilm oder -creme
- Pflasterentferner (Adhesive Remover)
- Abwurfbeutel für gebrauchtes Material
- Sterile Kompressen zum Reinigen
Gut zu wissen: Alle Materialien für die Wundversorgung sind auf Rezept erhältlich. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Vergessen Sie sich selbst nicht
Pflege ist Schwerstarbeit – körperlich und seelisch. Ein paar Dinge, die wichtig sind:
- Hilfe annehmen: Professionelle Wundversorgung durch den Pflegedienst oder WundSTARK® entlastet Sie enorm
- Pausen machen: Sie können nur gut pflegen, wenn es Ihnen selbst gut geht
- Verhinderungspflege nutzen: Sie haben Anspruch auf Vertretung – 1.612 € pro Jahr über die Pflegekasse
- Pflegestützpunkt kontaktieren: Kostenlose Beratung rund um Pflege, Hilfsmittel und Entlastung
- Schulungen wahrnehmen: Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse an – auch zum Thema Wundversorgung
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ich als Angehörige*r den Verband wechseln?
Ja – wenn das Wundversorgungs-Team Sie angeleitet hat und es sich um einen einfachen Verbandwechsel handelt (Wundauflage tauschen, Hautpflege, Fixierung). Komplexe Wunden mit Débridement, Tamponaden oder speziellen Techniken gehören in Profihände.
Wie oft muss der Verband gewechselt werden?
Das legt das Wundversorgungs-Team fest – in der Regel 2–3 Mal pro Woche. Bei stark nässenden Wunden auch häufiger. Ein außerplanmäßiger Wechsel ist nötig, wenn der Verband durchfeuchtet ist, verrutscht oder die Wunde sich verändert.
Was mache ich, wenn die Wundauflage an der Wunde klebt?
Nicht abreißen! Die Auflage mit steriler Kochsalzlösung oder lauwarmem Wasser anfeuchten und einige Minuten einwirken lassen. Dann löst sie sich in der Regel von selbst. Wenn das häufiger passiert, sollte die Wundauflage gewechselt werden – sprechen Sie das Team an.
Wie entsorge ich gebrauchtes Verbandmaterial?
Gebrauchte Verbände gehören in einen verschlossenen Müllbeutel im Restmüll. Spitze Gegenstände (Kanülen, Scheren) in einen durchstichsicheren Behälter. Bei MRSA oder anderen multiresistenten Keimen gibt es besondere Vorschriften – Ihr Pflegedienst informiert Sie.
Kann ich mit meinem Angehörigen trotzdem duschen oder baden?
Duschen ist in der Regel möglich – mit Duschschutzfolien, die die Wunde wasserdicht abdecken. Vollbäder sind bei chronischen Wunden meist nicht empfehlenswert. Sprechen Sie mit dem Wundversorgungs-Team über die beste Lösung.
Wer bezahlt die Wundversorgung zu Hause?
Die professionelle Wundversorgung wird vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt. Das gilt für die Besuche des Pflegedienstes/Wundzentrums, die Verbandmaterialien und Hilfsmittel. Mehr dazu: Wundversorgung auf Rezept – so funktioniert die Kostenübernahme
WundSTARK® – Ihr Wundzentrum am Niederrhein
Wir versorgen chronische Wunden professionell – auch bei Ihnen zu Hause. In Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus Lettermann (Hilfsmittel, Kompressionsstrümpfe, Diabetiker-Schuhe) und LettsFit Physiotherapie – alles aus einer Hand.