Dekubitus vorbeugen

Ein Dekubitus – umgangssprachlich Druckgeschwür oder Wundliegen – entsteht, wenn Haut und Gewebe durch anhaltenden Druck geschädigt werden. Das Tückische: Ein Dekubitus kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln, die Heilung dauert dann oft Wochen oder Monate. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich ein Dekubitus in den meisten Fällen verhindern.

Dieser Ratgeber richtet sich besonders an Angehörige und Pflegende, die bettlägerige oder wenig mobile Menschen versorgen.

Was ist ein Dekubitus?

Ein Dekubitus ist eine Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes durch anhaltenden Druck. Wenn eine Hautstelle über längere Zeit zusammengedrückt wird – zum Beispiel beim Liegen oder Sitzen – wird die Durchblutung unterbrochen. Das Gewebe bekommt keinen Sauerstoff mehr und stirbt ab.

Typische betroffene Stellen:

  • Steißbein und Kreuzbein (häufigste Stelle bei Bettlägerigkeit)
  • Fersen
  • Hüftknochen
  • Schulterblätter
  • Ellbogen
  • Hinterkopf
  • Ohren (bei Seitenlage)
  • Knöchel (bei Seitenlage)

Wer ist gefährdet?

Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Dekubitus entwickeln – aber bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko deutlich:

Hohes Risiko

  • Bettlägerigkeit – wer sich nicht selbstständig umlagern kann
  • Rollstuhlnutzung – dauerhafter Sitzdruck auf Steißbein und Gesäß
  • Bewusstlosigkeit oder Sedierung – kein Schmerzempfinden als Warnsignal
  • Lähmungen – fehlende Sensibilität und Bewegungsfähigkeit

Zusätzliche Risikofaktoren

  • Hohes Alter – die Haut wird dünner und verletzlicher
  • Mangelernährung – ohne ausreichend Eiweiß kann der Körper Gewebe nicht reparieren
  • Inkontinenz – Feuchtigkeit weicht die Haut auf und macht sie anfällig
  • Diabetes – gestörte Durchblutung und Nervenfunktion
  • Durchblutungsstörungen – das Gewebe wird schlechter versorgt
  • Fieber und Schwitzen – Feuchtigkeit plus Reibung
  • Medikamente – Beruhigungsmittel, Schmerzmittel (verringern Eigenaktivität)

Die 4 Stadien: Dekubitus erkennen

Je früher ein Dekubitus erkannt wird, desto besser die Chancen. Achten Sie auf diese Stufen:

Stadium I – Rötung

Die Haut ist an einer Druckstelle gerötet und die Rötung blässt bei Fingerdruck nicht ab (Fingertest). Die Stelle kann sich warm, hart oder schmerzhaft anfühlen. Noch keine offene Wunde – jetzt handeln!

Stadium II – Oberflächliche Schädigung

Die obere Hautschicht ist geschädigt: Blasen, Abschürfungen oder eine flache offene Stelle. Die Wunde ist schmerzhaft und feucht.

Stadium III – Tiefe Wunde

Das Geschwür reicht bis ins Unterhautfettgewebe. Es bildet sich ein tiefer Krater. Professionelle Wundversorgung ist jetzt zwingend notwendig.

Stadium IV – Schwerer Grad

Die Wunde reicht bis auf Muskeln, Sehnen oder Knochen. Es besteht hohes Infektionsrisiko. Spezialisierte Wundversorgung im Wundzentrum ist unbedingt erforderlich.

Der Fingertest: Drücken Sie mit dem Finger auf die gerötete Stelle. Wird die Stelle kurz weiß und dann wieder rot? → Normal. Bleibt die Stelle durchgehend rot? → Alarmsignal! Das ist Stadium I.

Dekubitus entdeckt?

Ab Stadium II braucht ein Dekubitus professionelle Wundversorgung. Je früher, desto besser. Unsere zertifizierten Wundexpert*innen beraten Sie gerne.

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Telefon Viersen: 0 21 62 / 36 18 490 | Telefon Mönchengladbach: 0 21 62 / 36 18 4930

Dekubitus vorbeugen: Die 7 wichtigsten Maßnahmen

1. Regelmäßig umlagern

Die wichtigste Maßnahme überhaupt. Bettlägerige Menschen sollten mindestens alle zwei Stunden umgelagert werden – tagsüber häufiger, nachts je nach Risiko.

  • Zwischen Rücken-, Seiten- und 30°-Schräglage wechseln
  • Dabei darauf achten, dass keine neuen Druckstellen entstehen
  • Im Rollstuhl: alle 15–30 Minuten Gewicht verlagern oder kurz anheben lassen
  • Wichtig: Niemals über die Haut ziehen! Immer anheben, nicht schieben – Reibung schädigt die Haut

2. Druckentlastende Hilfsmittel

Die richtige Unterlage kann viel bewirken:

  • Wechseldruckmatratzen – verändern automatisch die Druckverteilung
  • Viskoelastische Matratzen – passen sich dem Körper an
  • Gelkissen für Rollstuhl und Sitzflächen
  • Fersenschoner – entlasten die empfindlichen Fersen
  • Lagerungskissen – für stabile Seitenlage

Achtung: Hilfsmittel ersetzen das Umlagern nicht – sie ergänzen es!

3. Hautpflege

Gesunde Haut ist widerstandsfähiger:

  • Haut täglich auf Rötungen und Druckstellen kontrollieren
  • pH-hautneutrale, rückfettende Hautpflege verwenden
  • Haut trocken halten – besonders bei Inkontinenz (Barrierecreme verwenden)
  • Keine Massagen auf geröteten oder gefährdeten Stellen – das schädigt das Gewebe zusätzlich!

4. Ernährung & Trinken

Der Körper braucht Bausteine zur Gewebeerhaltung und -reparatur:

  • Eiweißreich essen – Quark, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch
  • Ausreichend trinken – mindestens 1,5 Liter täglich (wenn medizinisch erlaubt)
  • Vitamine und Mineralstoffe – besonders Vitamin C und Zink unterstützen die Hauterneuerung
  • Bei Mangelernährung: ärztliche Beratung zu Nahrungsergänzung

5. Bewegung fördern

Jede noch so kleine Eigenbewegung hilft:

  • Patient*innen ermutigen, sich selbst zu bewegen – auch kleine Gewichtsverlagerungen zählen
  • Mobilisation unterstützen: kurz aufsetzen, an die Bettkante, aufstehen
  • Physiotherapie bei eingeschränkter Beweglichkeit
  • Auch passive Bewegungsübungen (Arme, Beine) verbessern die Durchblutung

6. Inkontinenz managen

Feuchtigkeit ist ein Hauptrisikofaktor:

  • Inkontinenzmaterial regelmäßig wechseln
  • Haut nach jedem Wechsel sanft reinigen und Barrierecreme auftragen
  • Feuchtigkeitsableitende Unterlagen verwenden
  • Hautschutzprodukte (Sprays, Cremes) gezielt einsetzen

7. Beobachten und dokumentieren

Prävention braucht Aufmerksamkeit:

  • Bei jedem Umlagern die Haut an den gefährdeten Stellen anschauen
  • Den Fingertest machen (siehe oben)
  • Auffälligkeiten sofort dem Pflegeteam oder Arzt melden
  • Lagerungsplan führen (wann, welche Position)

Typische Fehler bei der Dekubitus-Prävention

  • Fellunterlagen oder Gummiringe verwenden – veraltet, helfen nicht, können sogar schaden
  • Hautstellen massieren – bei bereits geröteter Haut wird das Gewebe weiter geschädigt
  • Nur Hilfsmittel nutzen, nicht umlagern – keine Matratze ersetzt regelmäßiges Umlagern
  • Haut zu feucht oder zu trocken lassen – beides schädigt
  • Patient*innen über die Unterlage ziehen – Reibung zerstört die Haut, immer anheben!
  • Kopfteil zu steil stellen – über 30° gleitet der Körper nach unten → Scherkräfte am Steißbein

Checkliste für Angehörige

Zum Ausdrucken und Aufhängen am Pflegebett:

  • ☐ Alle 2 Stunden umlagern (nachts ggf. länger mit geeigneter Matratze)
  • ☐ Haut bei jedem Umlagern kontrollieren (Fingertest!)
  • ☐ Haut pflegen: eincremen, trocken halten
  • ☐ Fersen frei lagern (Kissen unter die Waden)
  • ☐ Ausreichend Eiweiß und Flüssigkeit anbieten
  • ☐ Inkontinenzmaterial regelmäßig wechseln
  • ☐ Bewegung fördern – jede Eigenaktivität zählt
  • ☐ Bei Rötung, die nicht abblasst: sofort Arzt/Wundzentrum informieren

Wenn doch ein Dekubitus entsteht

Trotz bester Prävention kann es passieren – geben Sie sich keine Schuld. Entscheidend ist, schnell zu handeln:

  • Stadium I (Rötung): Sofort entlasten, Haut beobachten, Hausarzt informieren
  • Stadium II (offene Stelle): Professionelle Wundversorgung einleiten
  • Stadium III–IV (tiefe Wunde): Spezialisierte Behandlung im Wundzentrum mit modernen Wundauflagen, Druckentlastung und ggf. Ernährungstherapie

→ Lesen Sie auch: Wunde heilt nicht – was tun?

Häufige Fragen (FAQ)

Wie schnell entsteht ein Dekubitus?

Schon nach wenigen Stunden ohne Positionswechsel kann ein Dekubitus Stadium I entstehen – besonders bei Menschen mit dünner Haut, Mangelernährung oder Durchblutungsstörungen. Deshalb ist regelmäßiges Umlagern so wichtig.

Ist ein Dekubitus immer ein Pflegefehler?

Nein. Auch bei bester Pflege kann ein Dekubitus entstehen – zum Beispiel bei schwer kranken, extrem abgemagerten oder sterbenden Patient*innen. Entscheidend ist, dass alle zumutbaren Präventionsmaßnahmen ergriffen werden und bei Auftreten schnell reagiert wird.

Welche Matratze hilft bei Dekubitus-Risiko?

Bei mittlerem bis hohem Risiko empfehlen sich Wechseldruckmatratzen oder viskoelastische Matratzen. Ihr Arzt oder Pflegedienst kann eine solche Matratze verordnen – die Kosten werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen.

Hilft ein Gummiring gegen Dekubitus am Steißbein?

Nein! Gummiringe (Schwimmringe) sind veraltet und sogar schädlich: Sie konzentrieren den Druck auf den Rand und unterbrechen die Durchblutung am Kontaktbereich. Nutzen Sie stattdessen spezielle Lagerungskissen oder Gelkissen.

Wer bezahlt Hilfsmittel zur Dekubitus-Prävention?

Spezialmatratzen, Gelkissen und Lagerungshilfen können vom Arzt verordnet werden. Die Krankenkasse oder Pflegekasse übernimmt in der Regel die Kosten. Wir beraten Sie gerne zu den Möglichkeiten.

Kann ein Dekubitus vollständig heilen?

Ja – bei konsequenter Druckentlastung und fachgerechter Wundversorgung heilen auch tiefe Dekubitus-Wunden. Die Heilungsdauer hängt vom Stadium, den Grunderkrankungen und der Konsequenz der Therapie ab. Wichtig ist die Behandlung im spezialisierten Wundzentrum.

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