Hautpflege bei chronischen Wunden

Bei chronischen Wunden konzentriert sich alles auf die Wunde selbst – dabei wird die Haut drumherum oft vernachlässigt. Ein Fehler: Die Wundumgebungshaut ist der Schlüssel zur Heilung. Ist sie geschädigt, kann sich die Wunde vergrößern, Infektionen entstehen leichter, und Verbände halten nicht mehr richtig.

In diesem Ratgeber erklären wir, warum die Hautpflege rund um chronische Wunden so wichtig ist, welche Probleme auftreten können und was Sie selbst tun können.

Was ist die Wundumgebungshaut?

Als Wundumgebungshaut (auch: periwundäre Haut) bezeichnet man die Haut im Umkreis von etwa 4–5 Zentimetern um die Wunde herum. Sie ist die Brücke zwischen gesundem Gewebe und der Wunde – und wird bei der Wundversorgung oft übersehen.

Dabei hat sie eine entscheidende Aufgabe:

  • Schutzbarriere: Sie schützt das umliegende Gewebe vor Keimen und Feuchtigkeit
  • Ausgangspunkt der Heilung: Neue Hautzellen wachsen vom Wundrand aus in die Wunde hinein
  • Verbandträger: Nur auf intakter Haut haften Verbände und Wundauflagen sicher

Kurz gesagt: Ohne gesunde Wundumgebungshaut kann eine Wunde nicht heilen.

Die häufigsten Hautprobleme rund um Wunden

Mazeration – wenn die Haut aufweicht

Mazeration ist das häufigste Problem bei chronischen Wunden. Die Haut wird durch zu viel Feuchtigkeit (Wundexsudat) aufgeweicht, quillt auf und wird weißlich.

  • Ursache: Wundflüssigkeit steht zu lange auf der Haut – oft durch zu seltenen Verbandwechsel oder falsche Wundauflagen
  • Folge: Die aufgeweichte Haut reißt leicht ein, die Wunde vergrößert sich, Keime dringen leichter ein
  • Erkennen: Weißliche, aufgequollene Hautränder, die sich leicht ablösen lassen

→ Mehr zum Thema Wundflüssigkeit: Nässende Wunde – wann ist es normal, wann gefährlich?

Austrocknung – wenn die Haut spröde wird

Gerade bei venösen Wunden (offenes Bein) und beim diabetischen Fuß ist die Haut oft extrem trocken:

  • Ursache: Gestörte Durchblutung, Nervenschäden (weniger Schweiß), Medikamente, Alter
  • Folge: Risse in der trockenen Haut werden zu neuen Eintrittspforten für Keime
  • Erkennen: Schuppige, raue, rissige Haut – oft mit Juckreiz

Kontaktekzem – wenn die Haut reagiert

Manche Patient*innen entwickeln eine allergische oder irritative Hautreaktion auf Verbandmaterialien, Klebstoffe oder Salben:

  • Ursache: Allergie auf Pflasterkleber, Konservierungsstoffe in Cremes oder bestimmte Wundauflagen
  • Folge: Rötung, Juckreiz, Bläschen – die Haut wird noch empfindlicher
  • Erkennen: Scharf begrenzter roter Bereich genau dort, wo das Material auflag

Hyperkeratose – wenn sich zu viel Hornhaut bildet

Am Wundrand bildet sich manchmal überschüssige Hornhaut, die wie ein Wall die Wunde umgibt:

  • Ursache: Chronische Reizung, Druck, mangelhafte Wundheilung
  • Folge: Neue Hautzellen können nicht vom Rand in die Wunde wachsen – die Heilung stagniert
  • Behandlung: Vorsichtiges Abtragen durch den Wundexperten (Débridement des Wundrandes)

So pflegen Sie die Wundumgebungshaut richtig

Reinigung

  • Sanft reinigen: Die Haut rund um die Wunde mit lauwarmem Wasser oder steriler Kochsalzlösung reinigen
  • Keine Seife direkt an der Wunde: Normale Seife zerstört den Säureschutzmantel – pH-neutrale Waschlotion verwenden
  • Vorsichtig trocknen: Tupfen, nicht reiben – am besten mit sterilen Kompressen
  • Klebstoffreste entfernen: Spezielle Pflasterentferner (Adhesive Remover) schonen die Haut

Feuchtigkeit regulieren

Das Ziel: Die Haut darf weder zu feucht noch zu trocken sein.

Problem Lösung
Haut zu feucht (Mazeration) Hautschutzfilm oder -creme als Barriere auftragen, saugfähigere Wundauflage wählen, häufiger Verbandwechsel
Haut zu trocken Harnstoffhaltige Creme (5–10 % Urea) oder spezielle Pflegelotion auftragen – aber nie in die offene Wunde
Allergische Reaktion Material wechseln, hypoallergene Fixierungen verwenden, Arzt über Cortison-Behandlung befragen

Hautschutzprodukte

Es gibt spezielle Produkte, die einen unsichtbaren Schutzfilm auf der Haut bilden:

  • Hautschutzfilme (Barriere-Sprays/-Tücher): Bilden eine transparente, wasserabweisende Schicht – schützen vor Mazeration und Klebstoffschäden
  • Zinkoxid-Pasten: Klassischer Hautschutz, besonders bei stark nässenden Wunden
  • Hautschutzcreme: Für trockene, empfindliche Haut rund um die Wunde
  • Acrylat-Terpolymer-Sprays: Moderner Hautschutz, der auch unter Klebeflächen verwendet werden kann

Wichtig: Hautschutzprodukte gehören nur auf die Umgebungshaut – nie direkt in die offene Wunde, sofern nicht ausdrücklich dafür geeignet.

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Bei WundSTARK® kümmern wir uns nicht nur um die Wunde, sondern auch um die Haut drumherum. Wir wählen die richtigen Wundauflagen, Hautschutzprodukte und Pflegemittel – individuell abgestimmt auf Ihre Haut.

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Verbandwechsel: So schonen Sie die Haut

Der Verbandwechsel ist für die Wundumgebungshaut oft die größte Belastung. Häufiges Kleben und Ablösen reizt die Haut – mit diesen Tipps wird es schonender:

  • Pflaster in Haarwuchsrichtung ablösen: Langsam und flach – nie ruckartig abreißen
  • Pflasterentferner verwenden: Löst den Kleber ohne Hautverletzung
  • Klebeflächen variieren: Nicht immer an derselben Stelle fixieren
  • Selbsthaftende Verbände bevorzugen: Kohäsive Binden kleben nur an sich selbst, nicht an der Haut
  • Schlauchverbände als Alternative: Halten die Wundauflage ohne Kleben an Ort und Stelle
  • Hautschutzfilm vor dem Kleben: Schützt die Haut und erleichtert das spätere Ablösen

Ernährung und Hautgesundheit

Auch die Ernährung beeinflusst den Zustand der Haut:

  • Ausreichend trinken: Mindestens 1,5 Liter pro Tag – dehydrierte Haut ist anfälliger
  • Eiweiß: Baustoffe für Haut und Gewebe – bei chronischen Wunden ist der Bedarf erhöht
  • Zink: Wichtig für die Zellerneuerung und Immunabwehr
  • Vitamin A und C: Unterstützen die Hautregeneration
  • Omega-3-Fettsäuren: Entzündungshemmend und gut für die Hautbarriere

→ Ausführliche Tipps: Wundheilung und Ernährung – welche Nährstoffe Ihre Wunde braucht

Spezielle Situationen

Hautpflege unter Kompressionsverbänden

Bei Kompressionstherapie steht die Haut unter besonderer Belastung:

  • Nach dem Abnehmen der Kompression die Haut inspizieren und eincremen
  • Keine fetthaltigen Cremes direkt vor dem Anlegen – sie können die Kompression zum Rutschen bringen
  • Schnell einziehende Lotionen bevorzugen
  • Druckstellen sofort melden

Hautpflege beim diabetischen Fuß

Beim diabetischen Fuß ist die Hautpflege besonders wichtig:

  • Harnstoffcreme (5–10 % Urea) täglich auftragen – aber nicht zwischen den Zehen
  • Zehenzwischenräume trocken halten (Pilzgefahr!)
  • Keine Hornhaut selbst entfernen – nur durch den Podologen
  • Wassertemperatur immer mit dem Ellbogen prüfen (nicht mit dem Fuß – Nervenschäden!)

Hautpflege bei Dekubitus

Bei Dekubitus ist die Haut durch Druck und Feuchtigkeit besonders gefährdet:

  • Haut regelmäßig auf Rötungen kontrollieren (Fingertest: Rötung verschwindet beim Drücken? → Noch kein Dekubitus. Bleibt bestehen? → Sofort handeln!)
  • Inkontinenz-assoziierte Dermatitis vermeiden: Hautschutzcreme bei Inkontinenz
  • Haut nicht zu stark reiben beim Waschen
  • Keine Puder verwenden – sie verklumpen in Hautfalten

Häufige Fragen (FAQ)

Darf ich die Haut um meine Wunde eincremen?

Ja – sogar unbedingt! Die Wundumgebungshaut braucht Pflege. Verwenden Sie eine parfümfreie, pH-neutrale Creme und tragen Sie sie auf die trockene Haut rund um die Wunde auf. Aber: Nie in die offene Wunde cremen, sofern das Produkt nicht ausdrücklich dafür geeignet ist.

Was hilft gegen weißliche, aufgeweichte Hautränder?

Das ist Mazeration – ein Zeichen, dass zu viel Feuchtigkeit auf der Haut steht. Sprechen Sie Ihr Wundversorgungs-Team an: Oft hilft eine saugfähigere Wundauflage, ein Hautschutzfilm oder ein häufigerer Verbandwechsel. Die richtige Exsudatsteuerung ist entscheidend.

Meine Haut juckt stark um die Wunde – was kann ich tun?

Juckreiz kann verschiedene Ursachen haben: trockene Haut, eine allergische Reaktion auf Verbandmaterial oder ein beginnendes Ekzem. Nicht kratzen – das verletzt die Haut zusätzlich. Kühle Umschläge können lindern. Informieren Sie Ihr Wundversorgungs-Team, damit die Ursache gefunden wird.

Kann ich normale Bodylotion für die Wundumgebung verwenden?

Besser nicht. Viele Bodylotions enthalten Parfüm, Konservierungsstoffe oder Alkohol, die empfindliche Haut reizen können. Verwenden Sie stattdessen medizinische Hautpflegeprodukte – zum Beispiel Cremes mit Urea (Harnstoff) oder spezielle Barriere-Cremes. Ihr Wundversorgungs-Team berät Sie gerne.

Wie oft sollte die Wundumgebungshaut gepflegt werden?

Idealerweise bei jedem Verbandwechsel. Das ist der beste Zeitpunkt, weil die Haut ohnehin zugänglich ist. Zusätzlich: Trockene Haut an den Beinen oder Füßen am besten täglich eincremen – besonders nach dem Waschen.

Bezahlt die Krankenkasse Hautschutzprodukte?

Hautschutzfilme und spezielle Barriere-Cremes können als Teil der Wundversorgung verordnet werden, wenn sie medizinisch notwendig sind. Ihr Arzt stellt das Rezept aus. Mehr dazu: Wundversorgung auf Rezept – so funktioniert die Kostenübernahme

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