WundSTARK Ratgeber: Offenes Bein

Offenes Bein: Ursachen, Behandlung & Pflege

Ein „offenes Bein" – medizinisch Ulcus cruris – ist eine chronische Wunde am Unterschenkel, die oft monatelang nicht heilt. In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 bis eine Million Menschen betroffen, vor allem ältere Patient*innen. Die Wunde nässt, schmerzt und schränkt den Alltag massiv ein. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung kann ein offenes Bein heilen – vorausgesetzt, die Ursache wird gezielt angegangen.

Was ist ein offenes Bein?

Als „offenes Bein" bezeichnet man eine chronische Wunde am Unterschenkel, die durch Durchblutungsstörungen entsteht. Der medizinische Fachbegriff lautet Ulcus cruris (lateinisch: Unterschenkelgeschwür).

Die Wunde entsteht nicht durch eine Verletzung, sondern „von innen heraus": Die Haut wird durch die gestörte Durchblutung so schlecht versorgt, dass sie aufbricht – manchmal reicht schon ein kleiner Stoß oder Kratzer.

Je nach Ursache unterscheidet man:

  • Ulcus cruris venosum (ca. 70 % der Fälle) – verursacht durch Venenschwäche
  • Ulcus cruris arteriosum (ca. 10 %) – verursacht durch arterielle Durchblutungsstörungen
  • Ulcus cruris mixtum (ca. 15 %) – Mischform aus venöser und arterieller Ursache
  • Andere Ursachen (ca. 5 %) – z. B. Diabetes, Entzündungen, Medikamente

Ursachen: Warum entsteht ein offenes Bein?

Venöse Insuffizienz – die häufigste Ursache

Bei einer Venenschwäche funktionieren die Venenklappen in den Beinen nicht mehr richtig. Das Blut staut sich in den Unterschenkeln, der Druck in den Venen steigt. Über Monate und Jahre führt das zu:

  • Schwellungen (Ödeme) an den Knöcheln und Unterschenkeln
  • Bräunliche Verfärbung der Haut (Hämosiderin-Ablagerungen)
  • Verhärtung der Haut und des Unterhautgewebes (Dermatoliposklerose)
  • Schließlich: Aufbrechen der Haut → offenes Bein

Typische Stelle: Innenknöchel und unteres Schienbeindrittel.

Risikofaktoren: Krampfadern, Thrombose in der Vorgeschichte, Übergewicht, Bewegungsmangel, stehende Berufe.

Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Bei der pAVK sind die Arterien verengt oder verstopft – das Gewebe an den Beinen und Füßen bekommt zu wenig Sauerstoff. Die Wunden entstehen typischerweise an Zehen, Fersen oder Fußrücken und sind oft sehr schmerzhaft.

Risikofaktoren: Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte.

Mischformen und andere Ursachen

Nicht selten spielen mehrere Faktoren zusammen: Venenschwäche plus arterielle Probleme, Diabetes, Medikamente (z. B. Kortison) oder Autoimmunerkrankungen. Genau deshalb ist die Ursachenklärung so entscheidend – denn die Behandlung richtet sich nach der Ursache, nicht nur nach der Wunde.

Symptome: Wie erkenne ich ein offenes Bein?

Ein offenes Bein entwickelt sich meist schleichend. Achten Sie auf diese Warnsignale:

Frühzeichen (bevor die Wunde entsteht)

  • Schwere, müde Beine – besonders abends
  • Geschwollene Knöchel
  • Sichtbare Krampfadern
  • Bräunliche Hautverfärbungen am Unterschenkel
  • Juckende, trockene oder verhärtete Haut
  • Ekzem (Stauungsekzem) an den Unterschenkeln

Die offene Wunde

  • Meist am Innenknöchel oder Unterschenkel
  • Nässend, oft mit gelblichem Belag
  • Umgebungshaut gerötet, warm oder verhärtet
  • Schmerzen – besonders bei arterieller Ursache
  • Unangenehmer Geruch bei Infektion

Wichtig: Wenn Sie diese Zeichen bemerken, warten Sie nicht ab! Je früher ein offenes Bein behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

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Behandlung: So wird ein offenes Bein versorgt

Die Behandlung eines offenen Beins ruht auf zwei Säulen: Ursache behandeln und Wunde versorgen. Beides muss gleichzeitig passieren – sonst heilt die Wunde nicht dauerhaft.

1. Ursache behandeln

Bei venöser Ursache:

  • Kompressionstherapie – das Wichtigste! Kompressionsverbände oder -strümpfe drücken die erweiterten Venen zusammen und verbessern den Blutrückfluss. Ohne Kompression heilt ein venöses Ulcus in der Regel nicht.
  • Bewegung – die Wadenmuskelpumpe aktivieren: Gehen, Fußwippen, Zehen kreisen
  • Hochlagern – Beine mehrmals täglich über Herzhöhe lagern
  • Ggf. Behandlung von Krampfadern (Verödung, Operation)

Bei arterieller Ursache:

  • Durchblutungsfördernde Maßnahmen
  • Ggf. Gefäßeingriff (Ballondilatation, Bypass)
  • Keine Kompression bei rein arterieller Ursache! (verschlechtert die Durchblutung)
  • Risikofaktoren behandeln: Rauchstopp, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette

2. Wunde versorgen

In einem spezialisierten Wundzentrum wie WundSTARK® wird die Wunde fachgerecht versorgt:

  • Wundreinigung: Entfernung von abgestorbenem Gewebe und Belägen (Débridement)
  • Moderne Wundauflagen: Je nach Wundsituation – Schaumverbände, Alginate, Hydrogele oder silberhaltige Auflagen
  • Feuchte Wundversorgung: Die Wunde wird feucht gehalten, nicht ausgetrocknet
  • Infektionskontrolle: Bei Zeichen einer Infektion gezielte Maßnahmen
  • Regelmäßige Kontrollen: Fotodokumentation und Anpassung der Therapie

Was Sie selbst tun können

  • Kompressionsstrümpfe konsequent tragen – auch wenn es unbequem ist. Ohne Kompression heilt die Wunde nicht (bei venöser Ursache)
  • Bewegen Sie sich – Gehen ist die beste Medizin für die Beine. Stehen und Sitzen vermeiden
  • Beine hochlegen – mehrmals täglich über Herzhöhe, besonders abends
  • Hautpflege – die Haut rund um die Wunde mit pH-neutraler Creme pflegen (nicht auf die Wunde selbst!)
  • Nicht rauchen – Nikotin verschlechtert die Durchblutung massiv
  • Auf Ernährung achten – eiweißreich essen, genug trinken, Übergewicht reduzieren
  • Keine Selbstbehandlung – keine Hausmittel, keine eigenmächtigen Verbandswechsel. Lassen Sie die Wunde von Expert*innen versorgen

Kann ein offenes Bein wieder kommen?

Ja – und das ist das Tückische. Auch nach erfolgreicher Heilung bleibt die Grunderkrankung (z. B. die Venenschwäche) bestehen. Ohne konsequente Nachsorge öffnet sich die Wunde häufig erneut.

So beugen Sie einem Rückfall vor:

  • Kompressionsstrümpfe dauerhaft tragen (lebenslang bei Venenschwäche!)
  • Regelmäßige Kontrolltermine beim Arzt und/oder Wundzentrum
  • Hautpflege beibehalten
  • Bewegung in den Alltag einbauen
  • Bei ersten Anzeichen (Schwellung, Verfärbung, Druckgefühl) sofort reagieren

Häufige Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Heilung eines offenen Beins?

Das hängt von der Größe der Wunde, der Ursache und der Konsequenz der Behandlung ab. Kleine Ulcera können in Wochen heilen, große und lang bestehende Wunden brauchen manchmal Monate. Entscheidend ist die konsequente Behandlung der Ursache – insbesondere die Kompressionstherapie.

Kann ein offenes Bein vollständig heilen?

Ja, in vielen Fällen ist eine vollständige Heilung möglich. Voraussetzung ist, dass die Ursache konsequent behandelt wird und die Wundversorgung fachgerecht erfolgt. Die Rückfallquote ist allerdings hoch – deshalb ist Nachsorge entscheidend.

Muss ich Kompressionsstrümpfe tragen, auch wenn die Wunde zu ist?

Ja – bei venöser Ursache sogar lebenslang. Die Kompression verhindert, dass sich erneut Blut in den Beinen staut und die Wunde wieder aufgeht. Ihr Arzt passt die Kompressionsklasse individuell an.

Darf ich mit einem offenen Bein duschen?

In der Regel ja – sprechen Sie aber vorher mit Ihrem Wundversorgungs-Team. Es gibt spezielle Duschschutzfolien für Wunden. Auf Vollbäder sollten Sie verzichten, da sie die Wunde aufweichen können.

Warum tut mein offenes Bein so weh?

Schmerzen bei einem offenen Bein können verschiedene Ursachen haben: Die Wunde selbst, eine Infektion, zu enge Kompression oder die zugrunde liegende Durchblutungsstörung. Sprechen Sie Ihre Schmerzen unbedingt an – es gibt gute Möglichkeiten der Schmerzlinderung. Schmerz muss nicht ausgehalten werden!

Was ist der Unterschied zwischen einem offenen Bein und einem Dekubitus?

Ein offenes Bein (Ulcus cruris) entsteht durch Durchblutungsstörungen, meist am Unterschenkel. Ein Dekubitus entsteht durch anhaltenden Druck (z. B. beim Liegen) an Stellen wie Steißbein, Fersen oder Hüften. Beide sind chronische Wunden, aber mit unterschiedlichen Ursachen und Behandlungsansätzen.

WundSTARK® – Ihr Wundzentrum am Niederrhein

Spezialisiert auf chronische Wunden wie das offene Bein. ICW-zertifiziert, leitlinienorientiert und mit Zeit für Sie.

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